29 June 2026, 18:21

Sharon Dodua Otoo gewinnt Bachmann-Preis 2024 mit gesellschaftskritischem Text

Frontal gegen alles

Sharon Dodua Otoo gewinnt Bachmann-Preis 2024 mit gesellschaftskritischem Text

Bachmann-Preis 2024: Sharon Dodua Otoo gewinnt mit gesellschaftskritischem Text den Hauptpreis

Bei der diesjährigen Verleihung des Bachmann-Preises ging der mit 30.000 Euro dotierte Hauptpreis an die Schriftstellerin und Übersetzerin Sharon Dodua Otoo. Zudem wurden der Publikumspreis und der KELAG-Preis an weitere herausragende Teilnehmerinnen vergeben. Der Wettbewerb präsentierte mutige Themen und scharfsinnige Kritik an Gesellschaft und Literatur.

Die ausschließlich aus sieben Frauen bestehende Jury lobte die Kreativität und Originalität vieler Einsendungen. Hervorgehoben wurden einfallsreiche Ideen, prägnante Sätze und nur wenige eindeutige Misserfolge unter den Texten. Ein wiederkehrendes Motiv war das der „Flecken“ – als Symbol für blinde Flecken oder Unglücksvorzeichen –, das sich durch verschiedene Werke und Genres zog.

Sharon Dodua Otoo gewann sowohl den Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen, der sich mit der anhaltenden Gewalt auseinandersetzt, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Die Jury bezeichnete ihre Arbeit – wie auch andere Beiträge – als „wunderbar proletarisch“ mit einem starken Fokus auf die Unterschicht.

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Für Aufsehen sorgte Slata Roschal, die die Bühne unmittelbar nach ihrer Lesung verließ. Sie weigerte sich, mit der Jury in Dialog zu treten, und kritisierte die Literaturbetriebe für ihre schlecht bezuschten Stipendien und minimalen Gewinne. Kinga Tóth hingegen erhielt den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und polyphonen Stil – beeindruckend, da sie Deutsch erst in der Schule erlernte.

In den Lesungen wurde auch auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan Bezug genommen, das eine Szene aufgreift, in der Gott an einem schwülen Sommertag auf der Anklagebank sitzt.

Der Bachmann-Preis feierte in diesem Jahr mutiges Erzählhandwerk und gesellschaftliche Kommentare. Otoos Doppelsieg und Tóths Auszeichnung unterstreichen die Wertschätzung des Wettbewerbs für vielfältige Stimmen. Roschals demonstrativer Abgang machte derweil die anhaltenden Spannungen innerhalb der Literaturszene deutlich.

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