Russland verbietet Nurejew-Ballett wegen Flucht und LGBTQ+-Themen
Kilian SchlosserRussland verbietet Nurejew-Ballett wegen Flucht und LGBTQ+-Themen
Ein Ballett über das Leben Rudolf Nurejews in Russland verboten
Nach Jahren politischen Drucks wurde in Russland ein Ballett über das Leben Rudolf Nurejews verboten. Die von Juri Possochow choreografierte und von Kirill Serebrennikow inszenierte Produktion feierte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere, wurde jedoch 2023 abgesetzt. Als Begründung für das Verbot nannten die Behörden die Themen Überlaufens und LGBTQ+-Repräsentation.
Das Ballett "Nurejew" zeichnet den Werdegang des Tänzers nach – von seiner frühen Ausbildung bei Alexander Puschkin bis zu seiner spektakulären Flucht nach Frankreich. Die Bühnenbilder zeigen persönliche Gegenstände aus seinem Leben und schaffen so ein lebendiges Porträt seiner Karriere. Während der erste Akt für seine emotionale Tiefe gelobt wurde, kritisierten einige den zweiten Akt als weniger energiegeladen, obwohl die Solo- und Ensembleauftritte beeindruckten.
Die Geschichte der Produktion spiegelt die zunehmende kulturelle Repression in Russland wider. Serebrennikow, der Regisseur, wurde 2020 wegen Veruntreuung verurteilt und floh später aus dem Land. Possochow, der zwar US-Bürger ist, arbeitet weiterhin mit dem Bolschoi-Theater zusammen, doch sein Ballett fiel der allgemeinen Zensur zum Opfer. Seit der Invasion der Ukraine 2022 hat sich die künstlerische Freiheit weiter verringert – Gesetze zielen auf "nicht-traditionelle" Themen ab, und Kritiker sehen sich mit juristischen Konsequenzen konfrontiert.
Ursprünglich wurde "Nurejew" 1995 in Berlin uraufgeführt, Jahrzehnte vor der russischen Inszenierung. Die Bolschoi-Premiere 2017 fand ohne Serebrennikow statt, der zu diesem Zeitpunkt bereits unter Hausarrest stand. 2023 wurde das Ballett schließlich komplett verboten – ein weiteres Beispiel für die Unterdrückung abweichender Meinungen und die internationale Debatte über Russlands kulturelle Isolation.
Das Verbot von "Nurejew" markiert einen weiteren Schritt in der kulturellen Restriktion Russlands unter der Regierung Putins. Choreografen und Regisseure stehen unter schärferer Beobachtung, viele Werke werden von den Spielplänen gestrichen oder verändert. Die Abschaffung des Balletts unterstreicht die anhaltende Spannung zwischen künstlerischem Ausdruck und staatlicher Kontrolle im heutigen Russland.






