München begrüßt Lahav Shani mit "Servus!" statt Multikulti-Klischees
Kilian SchlosserMünchen begrüßt Lahav Shani mit "Servus!" statt Multikulti-Klischees
Münchens Kulturszene verbindet Tradition mit internationalem Einfluss – auf ganz eigene Weise. Mit Lahav Shani, der nun als neuer Musikdirektor der Münchner Philharmoniker sein Amt antritt, zeigt die Stadt, wie sie ausländische Talente auf ihre ganz besondere Art willkommen heißt. Zwischen herzhaften regionalen Grüßen und kulinarischen Eigenheiten setzt München auf eine Offenheit, die sich gängigen multikulturellen Schubladen entzieht.
Das Orchester lässt keinen Zweifel an seiner Begeisterung für Shani und präsentiert seinen Amtsantritt als perfekte Passform. In Werbematerialien wird erinnert, wie die Geigerin Anne-Sophie Mutter die Philharmoniker 2022 mit Shani bekannt machte – eine Begegnung, die sofort Funken schlug. Seine Leidenschaft für vielfältige Klangwelten, so die Betonung, korrespondiere mit Münchens "aufgeschlossenem, neugierigem" Geist. Die Hoffnung: Shani wird dem Ensemble frischen Schwung verleihen.
Statt auf ein breites multikulturelles Konzept zu setzen, integriert München Neuzugänge über die eigenen Traditionen. Eine Kampagne mit "Schalom" als Willkommensgruß hätte zwar Weltoffenheit signalisiert – doch die Stadt wählte einen anderen Weg. Auf Plakaten ist der Dirigent nun mit einem "Servus!" unter seinem Porträt zu sehen, einem typisch bayerischen Gruß. Das erinnert an die Vorliebe von Ministerpräsident Markus Söder für den "Söder-Döner", eine lokale Variante des ausländischen Gerichts.
Der Kontrast zu Berlin ist auffällig. Als Simon Rattle zur Berliner Philharmonie stieß, startete das Orchester eine "Welcome!"-Kampagne mit kosmopolitischem Touch. München hingegen setzt auf "Bayernkult" – eine Feier bayerischer Identität, die äußere Einflüsse aufnimmt, ohne den regionalen Charakter zu verlieren. Selbst Rattle, als er in München die "Symphonic Hoagascht" dirigierte, beteiligte sich an einem Event mit tiefen Wurzeln in der heimischen Tradition.
Shanis Ankunft markiert einen weiteren Schritt in Münchens Gratwanderung zwischen globalem Talent und lokaler Prägung. Die Betonung persönlicher Verbindungen und gemeinsamer Begeisterung deutet auf einen herzlichen Empfang hin. Doch die Entscheidung für "Servus" statt "Schalom" unterstreicht einmal mehr: München findet seinen eigenen Weg, Fremdes und Vertrautes zu verbinden.






