29 June 2026, 20:17

Klassik im Umbruch: MDR stellt Sender ein, Philharmonie sucht Interimsspielort

Zu viel Hysterie!

Klassik im Umbruch: MDR stellt Sender ein, Philharmonie sucht Interimsspielort

Tiefgreifende Veränderungen in der deutschen Klassikszene

In der deutschen Klassikwelt zeichnen sich bedeutende Umbrüche ab: Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) stellt seinen Klassikradiosender ein, während in Berlin über ein Interimsspielort für die Philharmonie während der Sanierung diskutiert wird. Gleichzeitig prägen Kontroversen und neue Projekte die Branche.

Der MDR wird seinen Klassiksender über DAB+ abschalten und durch BR-Klassik ersetzen. Musikdirektorin Annette Josef bezeichnete den Schritt als „strategischen Erfolg“ und verwies auf erweiterte Kooperationen innerhalb des ARD-Verbunds. Doch die Entscheidung stößt in der Öffentlichkeit auf Kritik.

In Berlin läuft unterdessen die Debatte um einen vorübergehenden Spielort für die Philharmonie während der für 2032 geplanten Sanierung. Die Stadt favorisiert das Internationale Congress Centrum (ICC), doch Philharmonie-Intendantin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Eine Umfrage des Portals BackstageClassical ergab, dass 66 Prozent der Befragten den Flughafen Tempelhof bevorzugen – allerdings belaufen sich die geschätzten Kosten auf über eine Milliarde Euro. Nur fünf Prozent sprachen sich für das ICC aus, 29 Prozent plädierten für alternative Standorte.

Andernorts sagte Matthias Goerne seine Auftritte mit dem Israel Philharmonic Orchestra ab, darunter Herzog Blaubarts Burg, wegen Reisekomplikationen. Sein für Juli geplantes Schumann-Album mit Markus Hinterhäuser bleibt jedoch im Zeitplan. Hinterhäusers Nachfolgerin, Karin Bergmann, hat sich bereit erklärt, notfalls für seine Konzerte einzuspringen.

Für Diskussionen sorgten zudem Vorwürfe gegen den Dirigenten John Eliot Gardiner. Steven Walter, Intendant des Bonner Beethovenfests, reagierte mit der Erklärung, das Festival zur „No-Dick-Pic-Zone“ zu machen, und verhängte ein Hausverbot für Wiederholungstäter. Während einige Gardiner verteidigen, verurteilen andere sein Verhalten.

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Weitere Entwicklungen umfassen Tobias Kratzers gefeierten Ring-Zyklus in München sowie die steigenden Sanierungskosten des Salzburger Festspielhauses, die nun auf 635 Millionen Euro geschätzt werden. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda meldete sich zudem in der Debatte um deutsche Kulturidentität zu Wort und verteidigte Michel Friedmans Position in der Süddeutschen Zeitung. Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, forderte kürzlich in einem BackstageClassical-Podcast mehr Ernsthaftigkeit in der Musik.

Die Klassikbranche steht vor Herausforderungen und neuen Wegen. Die Einstellung des MDR-Radios, die Berliner Spielortdebatte und anhaltende Kontroversen markieren eine Phase des Umbruchs. Doch kommende Aufführungen und Projekte treiben die Szene weiter voran.

Quelle