17 April 2026, 20:10

Wie die AfD mit Ängsten Politik macht – und was progressive Kräfte dagegen tun

Alte 19. Jahrhundert-Karte von Deutschland, die politische Teilung zeigt, auf Papier gedruckt mit Text oben und unten.

Die Stadtlandschaft und der Osten: Im Angstbereich der deutschen Politik - Wie die AfD mit Ängsten Politik macht – und was progressive Kräfte dagegen tun

Angst ist zu einem prägenden Thema in der deutschen Politik geworden – und die rechtspopulistische AfD nutzt dies geschickt aus, um an Einfluss zu gewinnen. Jahrelang taten sich die etablierten Parteien schwer, diese Sorgen ernsthaft anzugehen, und überließen der AfD damit die Deutungshoheit. Nun wehren sich progressive Stimmen mit neuen Strategien, um die Debatte zurückzuerobern.

Der Aufstieg der AfD begann vor gut einem Jahrzehnt, als die Partei Ängste vor Migration und wirtschaftlicher Unsicherheit für sich instrumentalisierte. 2015 behauptete Björn Höcke, AfD-Landesvorsitzender in Thüringen, dass sich "die Angstzonen ausbreiten, besonders für blonde Frauen" – eine Reaktion auf die Ankunft von Geflüchteten. Seine Äußerungen zogen scharfe Kritik nach sich, darunter von damals Justizminister Heiko Maas, der sie als "brandstiftende Rhetorik" verurteilte. Doch trotz der Empörung wuchs die AfD weiter und wurde schließlich zur zweitstärksten Fraktion im Duisburger Stadtrat.

Der Erfolg der Partei in Regionen wie Nordrhein-Westfalen spiegelt tiefere Probleme wider. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, nennt Migration, Deindustrialisierung, vererbte Armut und soziale Ausgrenzung als zentrale Treiber für die AfD-Unterstützung. Sein Rezept gegen den Rechtstrend: Diese Ängste nicht ignorieren, sondern mit konkreten Lösungen begegnen. Um die AfD zurückzudrängen, startete Banaszak kürzlich eine "Ost-Offensive", um Wähler in Deutschlands sogenanntem "wilden Osten" zu gewinnen.

Der Journalist Martin Debes, der für den Stern über den "ganz nahen Osten" schreibt, beobachtet, wie stark Angst politische Haltungen prägt. 2015 geriet er mit einer Frau aneinander, die Höckes Aussagen über unsichere blonde Frauen teilte. Der Vorfall zeigte, wie tief diese Sorgen bei manchen Wählern verankert sind. Debes und Banaszak sind sich einig: Wer solche Ängste verharmlost oder abtut, spielt der AfD nur in die Hände.

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Dass die AfD das Thema Angst so erfolgreich besetzen konnte, liegt auch daran, dass die Konkurrenz fehlte. Die etablierten Parteien beschränkten sich oft auf Lippenbekenntnisse, ohne die Probleme wirklich anzupacken. Die AfD füllte diese Lücke – und inszeniert sich seither als einzige Kraft, die die tabuisierten Themen angeht.

Das Beispiel Duisburg, eine Hochburg der AfD, zeigt, wie sehr unangefochtene Angst die Politik verändern kann. Progressive Kräfte stehen nun vor der Herausforderung, die Sorgen der Wähler ernst zu nehmen, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Ob ihnen das gelingt, bleibt abzuwarten.

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