10 April 2026, 14:16

Warum Pressesprecher und Journalisten kaum noch telefonieren – und was das bedeutet

Eine Gruppe von Menschen an einem öffentlichen Ort in eine hitzige Diskussion vertieft, umgeben von Reportern mit Mikrofonen, Mobiltelefonen und Papieren, mit einer Glaswand im Hintergrund.

Warum Pressesprecher und Journalisten kaum noch telefonieren – und was das bedeutet

Journalistinnen und Journalisten sowie Pressesprecher haben zunehmend Schwierigkeiten, sich telefonisch zu erreichen – viele Anrufe werden stattdessen an die E-Mail weitergeleitet. Diese Entwicklung sorgt für Frust bei Reporterinnen und Reportern, die auf schnelle und direkte Kommunikation für ihre Arbeit angewiesen sind. Mehrere Medienfachleute haben sich kürzlich zu dem wachsenden Trend geäußert und fragen sich, warum persönliche Gespräche oder Telefonate immer seltener werden.

Aufmerksamkeit erhielt das Thema, nachdem John Stanley Hunter auf LinkedIn gefragt hatte, warum Pressesprecher nicht mehr direkt mit Journalisten sprechen. Seine Frage traf bei vielen in der Branche auf Zustimmung, darunter auch bei Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, der darauf hinwies, dass oft auch Reporter selbst per Telefon nicht mehr erreichbar seien.

Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, berichtete von seinen Erfahrungen: Anrufe bei Pressestellen endeten fast immer mit derselben Antwort: "Schicken Sie eine E-Mail." Sachar Klein, Chief Attention Officer bei hypr, bestätigte dieses Muster und beschrieb, wie PR-Verantwortliche Journalisten häufig mit dem gleichen Satz abwimmeln.

Einige Reporter sehen in der Veränderung ein grundlegendes Problem. Peter Ehrlich von der Süddeutschen Zeitung argumentierte, dass Journalisten die Mobilnummern von Pressesprechern bräuchten, um sie im Notfall schnell erreichen zu können. Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, erkannte den Trend an, betonte aber, dass Vertrauensaufbau weiterhin zu wertvollen Hintergrundgesprächen führen könne.

Andere wiesen auf Branchen hin, in denen das Problem besonders ausgeprägt ist. Thomas Holzamer, verantwortlicher Redakteur von Finance Online, erklärte, dass Banken Anrufe oft ignorierten und E-Mail-Antworten langsam oder unverbindlich ausfielen. Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, fügte hinzu, dass schriftliche Stellungnahmen zwar rechtlich absichern würden, informelle Telefonate aber nach wie vor üblich seien.

Lutz Cleffmann, Geschäftsführer der ECCO Düsseldorf, vermutete, dass die Angst in Unternehmen die Vorsicht antreibe. Seine Aussage spiegelte die Sorge wider, dass Risikoaversion die direkte Kommunikation erschwere.

Die Debatte zeigt einen grundlegenden Wandel in der Interaktion zwischen Journalisten und Pressestellen, bei dem E-Mails zunehmend Telefonate ersetzen. Während einige schriftliche Stellungnahmen als rechtlichen Schutz begrüßen, warnen andere, dass der Verlust direkter Kontakte die Berichterstattung verlangsamen und die Transparenz verringern könnte. Eine Lösung des Konflikts ist vorerst nicht in Sicht.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle