Warum die Linke im Kampf gegen den Neoliberalismus immer wieder scheitert
Angela DietzWarum die Linke im Kampf gegen den Neoliberalismus immer wieder scheitert
Krise der Kritik: Warum die Linke gegen den Neoliberalismus scheitert
Die neue Anthologie „Krise der Kritik“ untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren nur schwer durchsetzen konnte. Das Buch argumentiert, dass das Verständnis der Niederlagen der Linken entscheidend ist, um aktuelle gesellschaftliche Verschiebungen zu deuten. Die versammelten Essays hinterfragen gängige Annahmen über den Aufstieg der Konsumkritik und den Niedergang systemischer Opposition.
Jahrzehntelang führten Forscher:innen die Dominanz des Neoliberalismus auf zwei Faktoren zurück: strukturelle Veränderungen des Kapitalismus und die Verbreitung marktliberaler Ideen. Doch dieser Band zeichnet ein komplexeres Bild. Die Unfähigkeit der Linken, dem Neoliberalismus wirksam etwas entgegenzusetzen, liege, so die Autor:innen, in den eigenen wandelnden Formen der Kritik begründet.
Benjamin Möckels Forschung widerlegt die Vorstellung, dass sich Kritik nahtlos von systemischen hin zu konsumorientierten Fragen verschoben habe. Er zeigt, dass Konsumkritik bereits während des Nachkriegbooms einflussreich war – lange vor den Protesten von 1968. Diese verbanden vielmehr kapitalismuskritische mit konsumfeindlichen Positionen.
Flemming Falz’ Beitrag zur britischen Wohnungsbaupolitik unter der Labour-Partei untergräbt ebenfalls die These eines plötzlichen neoliberalen Umschwungs. Marktgetriebene Reformen, so seine These, waren eher Reaktionen auf bestehende Probleme als ein radikaler Bruch. Agnes Arndt hingegen verfolgt, wie der Begriff „bürgerliche Gesellschaft“ umgedeutet wurde, um neoliberale Veränderungen zu legitimieren – auf Kosten älterer sozialistischer Sprachmuster.
Thorsten Holzhausers Analyse der deutschen PDS (und später der Linkspartei) offenbart eine weitere verpasste Chance. Statt antikapitalistische Opposition zu beleben, vermischte die Partei Identitätspolitik mit keynesianischer Wirtschaftspolitik. Roman Köster ergänzt, dass „Neoliberalismus“ selbst ein unscharfer, oft überstrapazierter Begriff sei, der mehr verschleiere als erklärt.
Die Anthologie begnügt sich nicht damit, die Schwächen der Linken zu dokumentieren – sie deutet sie neu. Indem die Essays die Lücken im Widerstand gegen den Neoliberalismus aufzeigen, machen sie deutlich: Die Krise der Kapitalismuskritiker:innen ist ebenso bedeutsam wie die Krise des Kapitalismus selbst. Die Erkenntnisse des Bandes könnten helfen zu verstehen, warum trotz weitverbreiteter Unzufriedenheit Alternativen bis heute ausbleiben.






