Volkstrauertag in Creil: 80 Jahre nach Kriegsende wird Erinnerung zur Verantwortung
Kilian SchlosserVolkstrauertag in Creil: 80 Jahre nach Kriegsende wird Erinnerung zur Verantwortung
Rund 100 Anwohner versammelten sich am Volkstrauertag auf dem Creiler Platz, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Bürgermeister Thomas Terhorst führte die Feierlichkeiten an, begleitet von lokalen Amtsträgern und Bürgern in einem Moment der Besinnung. Das diesjährige Motto "80 Jahre nach Kriegsende – Erinnern heißt Verantwortung übernehmen" prägte die würdevoll-schwerwiegende Stimmung der Veranstaltung.
Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Kranzniederlegung am Bonhoeffer-Denkmal vor dem Rathaus. Bürgermeister Terhorst und Benedikt Stelthove legten schweigend Blumen nieder und ehrten damit diejenigen, die in Konflikten, Gefangenschaft und Vertreibung ihr Leben verloren. In seiner Ansprache erinnerte der Bürgermeister an gefallene Soldaten und zivile Opfer und mahnte die Anwesenden, die historische Verantwortung wachzuhalten. Er zitierte den Philosophen George Santayana: "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."
Anschließend sprach Benedikt Stelthove und rief zu Mut auf, sich sowohl dem Leid der Vergangenheit als auch dem der Gegenwart zu stellen. Seine Worte wurden von einem musikalischen Beitrag der Saxophonistin Rebecca Hoppe begleitet, deren Spiel der Feier zusätzliche emotionale Tiefe verlieh.
Mitglieder der Jugendfeuerwehr Marl-Lenkerbeck berichteten von ihrem kürzlichen Besuch der Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg. René Vadder, Jugendwart der Feuerwehr, beschrieb die erschütternde Wirkung, denselben Weg zu gehen, den Häftlinge täglich unter Zwang zurücklegen mussten. Ihr Bericht unterstrich, wie wichtig es ist, diese Geschichten an die nächste Generation weiterzugeben.
Auch die sich wandelnde deutsche Erinnerungskultur stand im Fokus. In den letzten Jahrzehnten haben sich öffentliche Gedenkveranstaltungen ausgeweitet, wie etwa die Zusammenkunft im Januar 2026 in Ibbenbüren mit der Auschwitz-Überlebenden Anna Strishkova. Bildungsinitiativen – darunter digitale Führungen in der Gedenkstätte Point Alpha, virtuelle Ausstellungen über die Kinderemigration während des Holocaust sowie Workshops zur Debatte um den 8. Mai als Tag der Befreiung – haben das öffentliche Verständnis für Opferperspektiven und die Nachkriegsgeschichte vertieft.
Die Veranstaltung endete mit einem erneuten Bekenntnis zu Erinnerung und Verantwortung. Die Teilnehmer verließen den Ort mit den Worten des Bürgermeisters im Ohr, die den Sinn des Tages zusammenfassten: Trauer, Demut und das Versprechen, sich der Geschichte ehrlich zu stellen. Die Feierlichkeit betonte die Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses für eine bewusste und verantwortungsvolle Zukunft.