Streit um teure Medikamente: Sollten Hochpreis-Therapien für Hochbetagte tabu sein?
Adeline SchmiedeckeStreit um teure Medikamente: Sollten Hochpreis-Therapien für Hochbetagte tabu sein?
In Deutschland ist ein Streit darüber entbrannt, ob teure Medikamente sehr alten Patientinnen und Patienten verschrieben werden sollten. Hendrik Streeck, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung und CDU-Gesundheitsexperte, stellte diese Praxis infrage – und erntete damit Widerspruch von Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Die Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Ärztinnen und Ärzte in einigen Regionen mit finanziellen Sanktionen rechnen müssen, wenn sie älteren Patientinnen und Patienten kostspielige Wirkstoffe wie Abirateron verordnen.
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch Streecks Vorschlag, die ärztliche Selbstverwaltung benötige strengere, verbindliche Regeln, um zu verhindern, dass bestimmte Hochpreis-Medikamente im hohen Alter übermäßig eingesetzt werden. Er argumentierte, das aktuelle System biete zu wenig Klarheit und lasse Ärzte im Ungewissen über mögliche Rückforderungen der Krankenkassen.
Laumann wies Streecks Kritik entschieden zurück. Er betonte, dass die Entscheidung über Medikamentenverordnungen bei den Ärzten liegen müsse – und nicht bei Politikern. Nach seiner Ansicht reichen die bestehenden Vorschriften aus; politische Einmischung würde die Situation nur unnötig verkomplizieren.
Das Thema sorgt bereits in Bundesländern wie Nordrhein für Spannungen, wo Krankenkassen von Urologen die Erstattung von Abirateron-Verordnungen forderten – selbst in Einzelfällen. Ärzte berichten von wachsender Verunsicherung, da sie mit Rückforderungsansprüchen für Biologika und andere teure Therapien rechnen müssen, falls die Kassen diese im Nachhinein als nicht gerechtfertigt einstuften. Bisher gibt es auf europäischer Ebene keine einheitliche Haltung, sodass die Frage über die deutschen Grenzen hinaus ungeklärt bleibt.
Der Dissens zeigt eine grundsätzliche Unsicherheit auf: Wer soll entscheiden, wann teure Arzneimittel für ältere Patientinnen und Patienten angemessen sind? Angesichts der finanziellen Risiken für Ärzte und der gespaltenen politischen Meinungen dürfte die Debatte anhalten. Bisher wurden weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene Änderungen der Richtlinien angekündigt.






