Machtkampf im Handwerk: Warum ZDH und ZDK jetzt offen streiten
Ein erbitterter Streit zwischen den beiden führenden Handwerksverbänden Deutschlands hat sich seit dem Inkrafttreten umfassender Satzungsreformen im Januar weiter zugespitzt. Die vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) vorangetriebenen Änderungen zielen darauf ab, mehr Transparenz zu schaffen und die Governance-Strukturen an die Realitäten der Branche anzupassen. Doch die Reformen haben auch die Spannungen mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) verschärft, der dem ZDH vorwirft, eine erzwungene Trennung voranzutreiben.
Die neuen Statuten erzwingen eine klare institutionelle Trennung und beenden damit die langjährige Praxis der gemeinsamen Personalkörper zwischen den beiden Organisationen. Bisher verfügte der ZDK über drei garantierte Sitze im Vorstand des ZDH, darunter ein Vizepräsidentenposten. Nach der Reform wird künftig nur noch ein Vertreter aus der Handwerksführung im Gremium vertreten sein.
Die Umstrukturierung fällt in eine Phase besonderer Konflikteskalation. Ein zentraler Rechtsstreit über Gebühren für Fahrzeuguntersuchungen hat an Schwung verloren, sodass nun die Mitgliedsstrukturen zum Hauptstreitthema geworden sind. Der ZDK beansprucht 95 Prozent der bisherigen Beiträge des ZDH, woraufhin dieser ein neues Gebührenmodell einführte: Jede organisierte Werkstatt zahlt künftig jährlich 100 Euro an die Bonner Zentrale.
Um eine Isolation der Innungen zu verhindern, führt der ZDH direkte Mitgliedschaftsoptionen für Betrieben in betroffenen Regionen ein. Als erste Bundesländer sind Bayern und Nordrhein-Westfalen von der Neuregelung betroffen. Der ZDH betont, dass alle Personalentscheidungen demokratisch von der Mitgliederversammlung getroffen werden, und weist Vorwürfe einer hierarchischen Steuerung zurück.
Angesichts möglicher Austrittsbestrebungen plant der ZDH, seine Präsenz in umstrittenen Gebieten zu verstärken. Die Werkstätten sollen detailliert über Gründe und Folgen eines Austritts aus den Landesverbänden informiert werden.
Die Reformen markieren einen entscheidenden Wandel in der Steuerung des deutschen Handwerks. Mit direkten Mitgliedschaftswegen und dem neuen Beitragssystem positioniert sich der ZDH für eine zentralere Rolle. Unterdessen bleibt die künftige Beziehung des ZDK zur Organisation ungewiss, während der Konflikt weiter schwelt.