Goldreserven der Bundesbank: Warum 177 Milliarden Euro im Ausland lagern – und warum das riskant ist
Adeline SchmiedeckeGoldreserven der Bundesbank: Warum 177 Milliarden Euro im Ausland lagern – und warum das riskant ist
Der spektakuläre Überfall auf die Sparkasse in Gelsenkirchen hat Zweifel an der sicheren Lagerung von Gold in Banktresoren geschürt – selbst wenn es versichert ist. Angesichts der rasant steigenden Goldpreise wachsen die Risiken für Anleger, die physisch gedeckte Zertifikate oder ungedeckte Finanzprodukte halten. Gleichzeitig wird die Debatte um die im Ausland gelagerten deutschen Goldreserven – mit einem aktuellen Wert von 177 Milliarden Euro – immer hitziger.
Allein seit 2005 ist der Wert der deutschen Goldbestände im Ausland von 13,6 Milliarden Euro auf heute 177 Milliarden Euro explodiert. Dieser enorme Anstieg verstärkt die Ängste vor Kontrahentenrisiken und möglichen Verlusten für Investoren in "Papiergold"-Produkte wie Xetra-Gold oder Euwax-Gold. Im schlimmsten Fall könnte eine Insolvenz des Emittenten ihre gesamten Anlagen vernichten.
Der Reiz von Gold liegt in seiner greifbaren Substanz, die es von den Kontrahentenrisiken abhebt, die mit Papierwährungen verbunden sind. Während Fiat-Geld auf das Vertrauen in Institutionen angewiesen ist, besitzt Gold einen intrinsischen Wert. Dieser Unterschied wurde bereits 1912 von dem legendären Bankier John Pierpont Morgan auf den Punkt gebracht: "Gold ist Geld – alles andere ist Kredit."
Zwischen 2013 und 2017 holte die Bundesbank 674 Tonnen Gold aus den USA und Frankreich zurück, darunter 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris. Dennoch zeigt sich Bundesbank-Präsident Joachim Nagel überzeugt von der Sicherheit der Lagerung bei der US-Notenbank und sieht keinen Bedarf für weitere Rückführungen. Kritiker hingegen argumentieren, dass im Ausland gelagertes Gold eine Frage nationaler Souveränität sei – nicht nur wegen seines materiellen, sondern auch seines historischen und symbolischen Werts.
Die Diskussion um die deutschen Goldreserven spiegelt tiefere Sorgen um finanzielle Sicherheit und geopolitische Stabilität wider. Mit weiter steigenden Goldpreisen werden die Einsätze für Anleger und die Nation immer höher. Die Bundesbank bleibt zwar vorerst bei ihrer Vertrauensbekundung für die Auslandslagerung – doch die Forderungen nach einer vollständigen Rückholung reißen nicht ab.






