31 March 2026, 16:19

EU lockert Emissionshandel: Klimaziele in Gefahr durch Industrie-Druck

Eine Europakarte mit dem Logo des Europäischen Umweltbüros in der linken oberen Ecke, die in verschiedenen Grüntönen schattiert ist, um die EU-Regionen anzuzeigen.

EU lockert Emissionshandel: Klimaziele in Gefahr durch Industrie-Druck

Die Europäische Kommission hat ihre Pläne für das EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) nach Druck aus der Wirtschaft überarbeitet. Zu den zentralen Änderungen gehören eine Abschwächung einzelner Systembestandteile sowie die Verschiebung neuer Regeln, um starke Preisanstiege bei CO₂-Zertifikaten zu verhindern. Die Reformvorschläge sollen am kommenden Mittwoch offiziell vorgelegt werden.

Ursprünglich hatte die Kommission strengere Kontrollen im Emissionshandel vorgesehen. Doch angesichts hoher Energiepreise und massiver Widerstand aus der Industrie musste sie Kompromisse eingehen. Eine bedeutende Änderung betrifft die Marktstabilitätsreserve (MSR): Die dauerhafte Streichung überschüssiger Zertifikate wird nun ausgesetzt. Dies könnte die Anzahl verfügbarer CO₂-Zertifikate erhöhen und die Emissionsreduktion verlangsamen.

Auch die Einführung des EHS2 – eines separaten Handelssystems für Gebäude und Verkehr – wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Die Kommission begründet die Verzögerung damit, plötzliche Preissprünge zu vermeiden. Zudem werden die Referenzwerte für die Chemieindustrie angepasst, um die Compliance-Kosten für Unternehmen zu senken.

Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns Evonik, hatte zuvor gefordert, das EHS entweder abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. Gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese verfasste er einen Gastbeitrag im Handelsblatt, in dem er pragmatische Lösungen und ausgewogene Kompromisse forderte.

Doch die Änderungen gefährden die Klimaziele der EU. Eine weniger strenge MSR und die verschobene Einführung des EHS2 könnten es erschweren, das Ziel einer 55-prozentigen Emissionsreduktion bis 2030 und die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

Die überarbeiteten EHS-Reformen zeigen eine stärkere Rücksichtnahme auf die Forderungen der Industrie. Durch gelockerte Vorschriften und verschobene Fristen hofft die Kommission, die Energiemärkte zu stabilisieren. Gleichzeitig könnten die Anpassungen jedoch die Bemühungen untergraben, die Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen und den EU-Klimaverpflichtungen zu senken.

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