Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle und institutionelles Versagen ein
Kilian SchlosserBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle und institutionelles Versagen ein
Das Erzbistum Paderborn steht erneut in der Kritik, nachdem eine Studie 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt hat. Bischof Udo Markus Bentz hat sich nun öffentlich bei den Opfern entschuldigt und die Erkenntnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen der Kirche bezeichnet.
Seit 2010, als der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche erstmals bekannt wurde, arbeiten Bistümer bundesweit an der Aufarbeitung. Die jüngsten Enthüllungen haben weitere Maßnahmen ausgelöst, darunter Forderungen, Straßen umzubenennen, die nach beschuldigten Kardinälen benannt sind.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 legte 489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn offen, an denen 210 beschuldigte Täter beteiligt waren. Seitdem haben unabhängige Untersuchungen 12 weitere Fälle bestätigt; 8 weitere werden Anfang 2026 noch geprüft.
Bischof Bentz bezeichnete das Ausmaß des Missbrauchs als tiefgreifendes institutionelles Versagen. Er entschuldigte sich offiziell bei den Überlebenden und räumte die Verantwortung der Kirche ein. Seine Stellungnahme erfolgte, während das Erzbistum eine Vertiefung der Ermittlungen ankündigte – insbesondere zur Rolle des verstorbenen Kardinals Johannes Joachim Degenhardt, dem vorgeworfen wird, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben.
Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, begrüßte die Entschuldigung als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Er unterstützte zudem die Forderung, die Kardinal-Jaeger-Straße und den Kardinal-Degenhardt-Platz umzubenennen, da beiden Kardinälen vorgeworfen wird, Missbrauchsvorwürfe unterdrückt zu haben.
Bisher hat das Erzbistum 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Überlebende geleistet. Die Gelder sind Teil der laufenden Bemühungen, das Leid durch jahrzehntelangen Missbrauch innerhalb der Kirche wiedergutzumachen.
Das Erzbistum Paderborn führt seine unabhängigen Untersuchungen fort, mit Fokus auf historische Fälle und das Handeln hoher Geistlicher. Den Überlebenden wurden bereits 93 Millionen Euro an Entschädigungen gezahlt, doch weitere Fälle werden noch geprüft.
Die erneuten Forderungen nach Umbenennung öffentlicher Orte, die mit beschuldigten Kardinälen verbunden sind, spiegeln den wachsenden Druck auf Rechenschaftspflicht wider. Wie die Kirche auf diese Vorwürfe reagiert, wird entscheiden, wie sie mit dem Erbe des Missbrauchs umgeht.