14 February 2026, 08:26

Düsseldorf wagt digitales Abstimmungssystem – doch ist es sicher genug?

Ein Mann in einer grünen Weste und eine Frau in einem rosafarbenen Kleid stehen an einem Abstimmungstisch mit Papieren, hinter dem eine Wand mit angeklebten Papieren und ein Müllcontainer rechts zu sehen ist.

Düsseldorf wagt digitales Abstimmungssystem – doch ist es sicher genug?

Der Düsseldorfer Stadtrat führt ein digitales Abstimmungssystem für seine Sitzungen ein – inklusive geheimer Wahlen. Damit ist die nordrhein-westfälische Metropole die erste deutsche Stadt, die eine solche Technologie für offizielle Verfahren nutzt. Kritiker warnen jedoch, dass der Schritt die Wahlsicherheit und Anonymität gefährden könnte.

Geplant ist der Einsatz von OpenSlides, einer Software, die bereits von Parteien, Gewerkschaften und Verbänden für Abstimmungen und Rednerlisten genutzt wird. Zwar wurden die Tools des Unternehmens auf Bundesparteitagen und kleineren Veranstaltungen erprobt, doch keine andere deutsche Kommune setzt sie bisher vollständig für offizielle Sitzungen ein.

Deutschland hatte bereits von 1999 bis 2009 elektronische Wahlgeräte eingesetzt, bis das Bundesverfassungsgericht diese verbot. Begündet wurde das Verbot mit mangelnder öffentlicher Nachprüfbarkeit – ein Argument, das nun auch Gegner des Düsseldorfer Systems aufgreifen. Chris Demmer, Fraktionsvorsitzender der Linken, betont, dass digitale geheime Wahlen besonders manipulationsanfällig seien, ohne Spuren zu hinterlassen.

Emanuel Schütze, Gründer von OpenSlides, verteidigt das System und betont, die Wahrung der Anonymität der Wähler habe höchste Priorität. Doch genau dieser Fokus bedeutet auch, dass Manipulationen durch Nachzählungen nicht nachweisbar wären. Juristen bestätigen, dass der Schritt mit geltendem Recht vereinbar ist, doch Skeptiker verweisen auf ungelöste Risiken. Dazu zählen die Verwundbarkeit privater Endgeräte, die für die Abstimmung genutzt werden, sowie die Unmöglichkeit, Ergebnisse zu überprüfen, ohne die Anonymität der Stimmen aufzuheben.

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Die Linke-Fraktion pocht darauf, bei Stift, Papier und Wahlurnen zu bleiben. Nur so ließen sich ihrer Meinung nach sowohl Geheimhaltung als auch Nachprüfbarkeit von Wahlen garantieren.

Düsseldorfs Entscheidung markiert einen bedeutenden Wandel in der Durchführung kommunaler Abstimmungen. Die Einführung des Systems wird zeigen, ob digitales Wählen Sicherheit, Transparenz und Anonymität in Einklang bringen kann. Bislang steht die Stadt mit diesem Schritt in Deutschland allein da.