Deutsche Bahn in der Dauerkrise: Warum Verspätungen und Sanierungsstaus kein Ende nehmen
Kilian SchlosserDeutsche Bahn in der Dauerkrise: Warum Verspätungen und Sanierungsstaus kein Ende nehmen
Deutsche Bahn steht wegen anhaltender Verspätungen und maroder Infrastruktur massiv in der Kritik. Das Unternehmen verweist auf bröckelnde Gleise und überlastete Strecken, doch Fachleute und Politiker hinterfragen die Art der Instandhaltung und die Führungsentscheidungen.
Fahrgäste in zentralen Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern leiden unter monatelangen Behinderungen, da große Sanierungsprojekte sich verzögern und nicht abgeschlossen werden. In Nordrhein-Westfalen ist bis März 2026 nicht ein einziges der geplanten Korridor-Projekte fertiggestellt worden. Die stark frequentierte Strecke Hagen–Wuppertal–Köln befindet sich seit Februar in einer intensiven Bauphase und bleibt bis Juli gesperrt. Reisende zwischen Köln und Hagen müssen weiterhin mit Zugausfällen und Ersatzbussen rechnen – eine Besserung ist nicht in Sicht.
Auch andere Regionen sind betroffen: In Berlin werden der Hauptbahnhof und der Bahnhof Südkreuz saniert, während in Bayern die Strecke Nürnberg–Regensburg seit Februar komplett für eine Grundinstandsetzung gesperrt ist. Umleitungen sollen voraussichtlich bis mindestens zum 10. Juli andauern. Der Mangel an Abnahmeprüfern – Beamte, die Strecken nach Reparaturen für die Wiederinbetriebnahme freigeben – verschärft die Verzögerungen. Dadurch verlängern sich Ersatzbusverbindungen, was Pendler zusätzlich verärgert.
Die Deutsche Bahn räumt ein, dass Teile des Netzes überlastet sind, lehnt aber Forderungen nach Streichungen von Verbindungen ab. Stattdessen pocht das Unternehmen auf die Fortsetzung der Sanierungsarbeiten, darunter zehn laufende Korridor-Modernisierungen in Nordrhein-Westfalen und acht weitere geplante Projekte. Doch der Bahnexperte Christian Böttger widerspricht der Darstellung des Konzerns, wonach 80 Prozent der Verspätungen auf Infrastrukturprobleme zurückzuführen seien. Er vermutet vielmehr tiefgreifende Managementfehler.
Die Kritik wird immer lauter. Der Bundesrechnungshof hat kürzlich die Führung der Deutschen Bahn und die Untätigkeit der Bundesregierung im Umgang mit der Krise scharf verurteilt. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) bezeichnete das Schienennetz seines Bundeslandes gar als das "schlechteste Deutschlands". Fachleute ergänzen, dass das System seit Jahren nicht ausgebaut wurde, während immer mehr Züge auf denselben Strecken verkehren – mit chronischer Überlastung und Engpässen als Folge.
Einige Branchenvertreter schlagen vor, den Regionalverkehr einzuschränken, um die Belastung zu verringern. Doch die Deutsche Bahn weigert sich bisher, solche Maßnahmen umzusetzen, und lässt Fahrgäste wie Politiker nach Lösungen suchen. Da in Nordrhein-Westfalen keine Sanierung abgeschlossen ist und die Arbeiten in Berlin und Bayern weiterlaufen, werden sich die Verspätungen noch monatelang hinziehen. Der Prüfer-Mangel und Streit über Führungsentscheidungen verstärken die Unsicherheit für Millionen Reisende. Bis die Modernisierungen abgeschlossen und die Kapazitätsprobleme behoben sind, bleibt der Bahnverkehr in Deutschland eine tägliche Herausforderung.






