16 March 2026, 12:20

Bertelsmanns Kampf um Relevanz: Zwischen Familienführung und digitalen Giganten

Eine Gruppe von Menschen, die in Stühlen vor einem Projektionsschirm sitzen, mit einem Mann, der vorne steht und ein Mikrofon hält; auf der linken Seite ein Tisch mit einem Laptop und anderen Gegenständen, und im Hintergrund Schilder mit dem Text "Wikimedia 2a - die Zukunft des digitalen Marketings", eine Blumenvase und zwei Hängelampen.

Bertelsmanns Kampf um Relevanz: Zwischen Familienführung und digitalen Giganten

Bertelsmann, einst ein globaler Mediengigant, steht vor einem wandelnden Markt, während digitale Tech-Konzerne die Branche umkrempeln. Der deutsche Mischkonzern bleibt zwar Europas größtes Medienunternehmen, doch sein Einfluss hat gegenüber US-Technologieunternehmen nachgelassen. Ein Führungswechsel im Jahr 2027 wird Thomas Coesfeld, einen Nachkommen der Gründerfamilie Mohn, an die Spitze bringen – und das Unternehmen damit nach Jahren der Umstrukturierung unter Vorstandschef Thomas Rabe wieder in Familienhand geben.

Die Umsätze von Bertelsmann sind stetig gewachsen, von 13,9 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 20,2 Milliarden Euro 2024. Dennoch ist der globale Marktanteil geschrumpft, während US-Unternehmen wie Alphabet und ByteDance die digitale Werbung und soziale Videoplattformen dominieren. Seit den 2010er-Jahren hält Google rund 30 Prozent des EU-Werbemarktes, TikTok vereint mittlerweile über 20 Prozent der Nutzerinteraktionen im Bereich sozialer Videos auf sich. Bertelsmanns Anteil in diesen Segmenten liegt dagegen unter fünf Prozent – ein deutlicher Kontrast zur einstigen Vorreiterrolle des Konzerns.

Unter der Führung von Thomas Rabe hat das Unternehmen seine Strukturen verschlankt, darunter die Zerschlagung des einst mächtigen Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr, bis nur noch das Magazin Stern und ein Bruchteil des früheren Geschäfts übrig blieben. Gleichzeitig kämpft RTL, die Fernsehsparte von Bertelsmann, im Streaming-Bereich um Anschluss. Zwar konnte RTL+ Boden gutmachen, doch mit 11,5 Millionen zahlenden Abonnenten (zusammen mit Sky) liegt es weiterhin hinter Amazon und Netflix. Die Flaggschiff-Formate von RTL wie Gute Zeiten, Schlechte Zeiten oder Deutschland sucht den Superstar sind lizenzierte Formate und keine Eigenproduktionen. Der Verlust der Übertragungsrechte für die Europa League und die Conference League an DAZN unterstreicht die Herausforderungen zusätzlich – besonders, da US-Medienkonzerne zunehmend die Auktionen für Sportrechte dominieren.

Trotz dieser Widerstände behält Bertelsmann in der Verlagsbranche eine starke Position. Die Übernahme von Penguin Random House machte den Konzern zum weltweit größten Belletristik-Verlag. Politisch setzt das Unternehmen Akzente, etwa durch Klagen gegen republikanisch geführte US-Bundesstaaten wegen Buchverboten – ein Schritt, den nur wenige Wettbewerber wagen. Im aktuellen Ranking der "100 größten Medien- und Wissensunternehmen" belegt Bertelsmann Platz 16 weltweit, bleibt aber unangefochten die Nummer eins in Europa.

Die Zukunft des Unternehmens wird davon abhängen, ob es gelingt, die traditionellen Medienwurzeln mit den Anforderungen einer digital geprägten Welt in Einklang zu bringen. Mit Thomas Coesfeld an der Spitze ab 2027 wird sich zeigen, ob die Rückkehr zur Familienführung Bertelsmanns globale Position neu beleben kann. Vorerst bleiben die Kerngeschäfte – RTLs Rundfunkaktivitäten und Penguin Random Houses Verlagswesen – zentrale Säulen in einer Branche, die zunehmend von plattformgetriebenen Konkurrenten dominiert wird.

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