13 June 2026, 16:07

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert Wiener Premiere

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert Wiener Premiere

Angélica Liddells neueste Performance Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben hatte Premiere am Volkstheater. Das Werk ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die in diesem Jahr unter dem Motto Republik der Götter stehen. Die Inszenierung lotet düstere und provokante Themen aus – Leben, Tod und das Makabre.

Inspiriert wurde Liddell von einer persönlichen Erfahrung: 2024 wurde sie in Madrid Zeugin, wie sich eine Frau das Leben nahm – ein Erlebnis, das die Performance tief prägte. Die zweistündige Produktion setzt auf explizite, erschütternde Bilder: etwa die Selbstbefriedigung mit rohem Fleisch oder das Tragen von Kleidung Verstorbener, um deren Leid zu evozieren.

Gleichzeitig ist die Aufführung eine Hommage an den japanischen Schriftsteller Yukio Mishima, eine Schlüsselfigur in Liddells künstlerischem Kosmos. Mishima inszenierte 1966 seinen eigenen Seppuku und beging 1970 rituellen Selbstmord. Liddell rekonstruiert diese Szene auf der Bühne – mit echtem Blut, das ihr und einem weiteren Performer entnommen wird.

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Neben der drastischen Bildsprache enthält das Stück eine Apologie des Suizids sowie Momente schwarzhumoriger Leichtigkeit. Die Wiener Festwochen 2024 bieten dafür den passenden Rahmen, stehen sie doch ganz im Zeichen von Sterblichkeit und Groteske.

Die Premiere am Volkstheater bereichert das diesjährige Festivalprogramm um ein mutiges Statement. Liddells Werk konfrontiert das Publikum mit einer schonungslosen, rohen Auseinandersetzung mit Tod und Schmerz – und bleibt zugleich eine faszinierende Erkundung von Mishimas Erbe sowie der Künstlerin eigener Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit.

Quelle